Foto: Jürgen Wöhner
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15.12.2024
Informationsveranstaltungen FF PV-Anlage in Neukenroth am 5.12. und Burggrub am 11.12.

Am Donnerstag 5.12. in Neukenroth und am Mittwoch 11.12. in Burggrub stellten die Gemeinde Stockheim unter Leitung von 1. Bürgermeister Daniel Weißerth und Herr David Fehn von der ausführenden Firma Münch Energie mit Sitz in Rugendorf (Lkr. Kulmbach) die Pläne für eine Freiflächen-Photovoltaikanlage in Neukenroth und Burggrub vor. Zugegen waren jeweils an die 100 Bürger, darunter von den Freien Wählern 2. Bürgermeister Rudi Jaros und die GMR Elisabeth Baierlein, Thomas Brückner, Hedwig Klinger, Dirk Kreul und Gerhard Wolf.

Die Gemeinde hat es sich zur Aufgabe gemacht, energieautark zu werden, und erteilte schon 2022 einen Auftrag an das Ingenieurbüro Team4, mögliche Flächen innerhalb der Gemeinde zu ermitteln und nach einem Ampelsystem zu bewerten.
2024 wurden wurden vier Firmen eingeladen, ihre jeweiligen Planungen für eine Photovoltaikanlage vorzustellen. Mit zweien ging man dann in eine engere Vorplanung, wobei am Ende nur eine die Räte im Spätherbst diesen Jahres überzeugen konnte - die Firma Münch. Einmal durch die Erfüllung des vom Gemeinderat erstellten Kriterienkatalogs, zum zweiten durch ihre Fachkompetenz und letztlich durch die erfreuliche Tatsache, ein lokales Unternehmen als Partner an der Seite zu haben, deren Mitarbeiter auch im Landkreis Kronach wohnen.

In Stockheim stehen bei einer Gesamtfläche von 2536 Hektar theoretisch 82% Fläche (entspricht 2110 ha Vegetation) zur Verfügung. Die Argumentation, man solle doch erstmal alle Dächer mit Photovoltaik bestücken, ist technisch leider nicht umsetzbar. Selbst bei einem Vollausbau könnte man darüber nur 2/3 der benötigten Energie in der Großgemeinde in Höhe von 23 Mio kWh erzielen. Herr Fehn ergänzte dazu, dass zudem nur 20% aller Industriedächer überhaupt aus statischen Gründen dazu geeignet seien, was die theoretische Fläche weiter reduzieren würde.
Auch zeigte 1. Bürgermeister Daniel Weißerth an den ständig rückläufigen Zahlen von Landwirten und bewirtschafteter Fläche, dass das Argument, man würde durch diese Anlagen wertvolle Flächen wegnehmen, nicht den Tatsachen entspricht. 

Aus der "Amtliche Bekanntmachung der Gemeinde Stockheim" vom 27.11.2024 kann man entnehmen:
"(...) In der Sitzung des Gemeinderates vom 11. November 2024 wurde der Planentwurf des Flächennutzungsplanes gebilligt. Der Geltungsbereich umfasst das gesamte Gemeindegebiet Stockheim mit ca. 25,36 km² Fläche. Mit der Ausarbeitung des Planes und der Durchführung des Verfahrens ist das Ingenieurbüro IVS aus Kronach beauftragt. Der gebilligte und zur frühzeitigen Beteiligung gemäß § 3 Abs. 1 BauGB bestimmte Entwurf des Flächennutzungsplanes samt Begründung und Umweltbericht in der Fassung vom 14.11.2024 kann im Zeitraum vom 29. November 2024 bis einschließlich 10. Januar 2025 im Rathaus der Gemeinde Stockheim, Rathausstraße 1, 96342 Stockheim, während der allgemeinen Dienststunden (...) öffentlich eingesehen werden. (...)" 

Das bedeute aber nur, dass man das Projekt nun offiziell auf den Weg gebracht hat und sich völlig am Anfang befinde. Es ist also noch gar nichts in Stein gemeißelt und der Bürgermeister wies damit Aussagen entschieden zurück, es sei alles schon beschlossene Sache. Fakt ist, dass man in den Dialog mit der Bevölkerung treten will, um diese angedachten Flächen vorzustellen und zu diskutieren, sowie Anregungen und Sorgen aufzunehmen. Sollte es trotz aller Anstrengungen nicht klappen, tatsächlich genügend Fläche zu finden, dann kann das am Ende auch zum Scheitern des ganzen Vorhabens führen. Angepeilt ist aktuell eine Projektplanungszeit von ca. 1 Jahr. Voraussetzung sei weiterhin, dass sich Landwirte finden, die die entsprechenden Areale mit Tieren - Wunsch sind Rinder - unterhalten.

Herr David Fehn stellte dann das Projekt im Detail vor. Da sich Tiere auf dem Gebiet aufhalten sollen, wird es sich jeweils um eine sogenannte Tierwohl-PV-Anlage handeln. Dabei sind die Module höher aufgestellt, damit sich Tiere darunter bewegen können und auch im Sommer Schatten finden. Der Landwirt kann dann die Fläche zwischen 1 und 10 Jahren pachten, und sie wird in Absprache mit ihm entsprechend gestaltet.

Um eine wirtschaftlich sinnvolle Anlage aufstellen zu können, ist eine Laufzeit von 30 Jahren geplant auf einer Fläche von knapp 26 ha in der Großgemeinde Stockheim. Das entspricht ungefähr 35 Fußballfeldern. Eine große Zerstückelung in mehrere kleinere Flächen ist  dabei zu vermeiden. Daher wurden zwei Flächen - eine in Neukenroth und eine in Burggrub - ins Auge gefasst.
Während der Laufzeit können sich Gemeinde und Bürger bis zu 49% an der Anlage beteilgen. Dies geschieht in Form eines nachrangigen Darlehens mit einer Mindestverzinsung von aktuell 4%. Des Weiteren können die Bürger einen günstigen Öko-Stromtarif über die Firma Münch beziehen, der derzeit bei 24,45 Ct/kWh brutto liegt.
Die Gemeinde kann mit Gewerbeeinnahmen von ca. 13 Mio € rechnen und um einen Rückbau nach Ende der Laufzeit in jedem Fall sicherzustellen, wird bei der Gemeinde eine sogenannte Rückbaubürgschaft in Höhe von 10.000€ pro Hektar hinterlegt. Diese Bürgschaft wird alle 10 Jahre durch einen Gutachter auf mögliche Kostensteigerungen überprüft und ggf. angepasst. Ein entsprechend großer Innovationsbatteriespeicher trägt dazu bei, dass man nicht benötigte Energie während des Tages speichern und in den Nachtzeiten verkaufen kann. 

Auch führte Herr Fehn weiter aus, dass man sich mit allen Behörden kuzschließen muss, wenn es zu einem Bauleitverfahren kommen sollte. Auch hier können noch immer Hürden liegen oder es zu Auflagen kommen, die letztlich ein solches Projekt unrentabel machen. Am Ende muss auch die Firma einen gewissen Gewinn erzielen.

In den Bildern kann man die vom Ingenieurbüro IVS eingezeichneten geplanten PV-Flächen sehen. Die Fläche in Neukenroth liegt oberhalb der Verbindungsstraße nach Wolfersdorf, die Fläche in Burggrub oberhalb der Mountain Ranch und damit beides mal in Naherholungsgebieten, in denen man frei von Bebauung und Lärm ist, und sich von der Hektik des Alltags erholen kann.
Die Zerstörung dieser Biotope war zugleich auch das Argument von vielen der anwesenden Bürger. Des Weiteren gab es Vorbehalte wegen eines möglichen Wegfalls von Jagdgebieten und Bedenken, den Brandschutz sicherzustellen. Darüber kann auch eine von der Firma Münch angedachten Begrünung und Hecken als Sichtschutz nicht hinwegtäuschen.  
Fragen zu technischen und rechtlichen Belangen wurden zum Ende hin ebenfalls beleuchtet.
 

Quelle:
www.stockheim-online.de/aktuelles/meldungen/neuaufstellung-des-flaechennutzungsplanes-amtliche-bekanntmachung-gem-2-abs1-und-3-abs1-baugb/